30.10.2014 von Alexander Mayer-Steudte

Die Innendämmung (Teil3/3) - Materialien

Dampfbremse in Theorie und Praxis

In der Standardausführung benötigt eine Innendämmung eine Dampfbremse die verhindert, dass Wasserdampf innerhalb der Wärmedämmung oder an der kalten Außenwand kondensiert und damit langfristig zu Feuchtigkeitsproblemen mit der Gefahr von Schimmelbildung führt.

Soweit die Theorie, in der Praxis bedeutet eine notwendige Dampfbremse doch die Notwendigkeit auf besondere Sorgfalt in der Planung und Ausführung.

 

Auf dem Baustoffmarkt finden sich für eine Innendämmung unterschiedliche Produkte:

•Mineralfaser-Dämmplatten [λ=0,035 und 0,040 W/(m K)]

•Polystyrolplatten mit oder ohne Kantenfalz, PS 15 + PS 20 [λ=0,030-0,040 W/(m K)]

•Polyurethanplatten mit Nut und Feder, [λ=0,035-0,040 W/(m K)]

•Schaumglasplatten [λ=0,045 W/(m K)]

•Zellulosedämmstoff im Anspritzverfahren (Flocken), [λ= 0,040-0,045 W/(m K)]

•Korkplatten und Korkschrot hinter Verkleidung [λ= 0,045-0,050 W/(m K)]

•Schafwolle als Matte [λ= 0,030-0,040 W/(m K)]

•Holzweichfaserplatten [λ= 0,040-0,045 W/(m K)]

•Kalziumsilikatplatten [λ=0,060-0,08 W/(m K)]

Lambda [λ] ist das Maß der spezifischen Wärmeleitfähigkeit. Je kleiner die Zahl um so besser der Wärmeschutz.

 

Auf dem Markt bewährt haben sich die folgenden Dämmstoffe, die etwas genauer betrachtet werden:

a.) Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS)

Polystyrol-Hartschaum
http://publik.tuwien.ac.at/files/pub-bi_7019.pdf

ist günstig und wird am häufigsten eingesetzt, vor allem als mehrlagige Platten, die raumseitig schon eine Gipskartonplatte besitzen. Es gibt diese Platten auch mit integrierter Dampfbremse, hier liegt deren Funktionsfähigkeit jedoch an der Fingerfertigkeit des Verarbeiters. Die Forderung nach einer hohlraumlosen Ausführung kann nur mit ausreichend Kleber oder einer vorab nochmals ausgeglichenen Wandinnenseite erreicht werden. Ist nur für gerade Wände geeignet. Gipskartonplatten sollen nie bis an ein massives Bauteil geführt werden, hier sind entsprechende Randdämmstreifen vorzusehen. Die dazu gehörende Detailsammlung ist sehr umfangreich, nicht alle Herstellerdetails entsprechen den bauphysikalisch als optimal zu bewertenden Ausführungen.

Befestigungen an der Wand müssen bis auf das massive Mauerwerk geführt werden, etwas Vorsicht ist hier geboten, insbesondere wegen der Durchdingung der Dampfbremse! Auf Druck reagiert das System nach giebig.

b.) Mineralwolle, guter Schallschutz bzw. Brandschutz

Innendämmung mit Mineralwolle
http://publik.tuwien.ac.at/files/pub-bi_7019.pdf

Eine Lattung an den zu dämmenden Bauteilen ist notwendig, die Mineralwolleplatten werden dazwischen geklemmt. Die Dampfsperre ist eine separate Lage, was die Klarheit der Aufgabenverteilung zwischen dämmen und dichten bei der Verarbeitung vorteilhaft unterstützt. Die Dampfbremse benötigt eine sorgfältig an allen Anschlussstellen dicht ausgeführte Verklebung (Spezialkleber). Eine zusätzliche Innenverkleidung z.B. mit Gipskartonplatten ist notwendig. Untergrundunebenheiten können bis zu einem gewissen Maß aufgenommen werden, das hängt letztlich auch von der Steifigkeit der gewählten Wärmedämmung ab. Gibt es inzwischen auch kaschiert auf Gipskartonplatten vergleichbar der Ausführung mit Polystyrol, das Thema Dampfsperre ist hier dann aber ebenfalls nur schwer in den Griff zu bekommen. Geeignet auch für gerundete Wände. Größte Dicke von allen hier genauer erläuterten Systemen, erlaubt aber dadurch auch die Schaffung einer Installationszone zwischen Dampfsperre und Gipskartonbekleidung. Dies kann einen beliebigen freien Querschnitt haben, so dass auch Heizleitungen verlegt werden könnten.

Befestigungen an der Wand müssen entweder in der Holzlattung erfolgen oder bis auf das massive Mauerwerk geführt werden. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da die Dampfsperre besonders empfindlich auf Durchdringungen reagiert. Auf Druck weichen die Gipskartonplatten nach hinten aus und beulen sich durch.

c.) Kalzium-Silikatplatten

Kalzium-Silikatplatten
obi.de

ein Dämmstoff mit kapillaren Eigenschaften, die der Tauwasserbildung entgegen wirken. Die dauerhafte kapillare Verbindung zwischen den Kalzium-Silikat-Dämmplatten und dem Untergrund verhindert die Tauwasserbildung und eine überhöhte relative Feuchte hinter der Dämmung während der Sommermonate. Bei Baumärkten als Set mit 25 mm Dicke erhältlich, sonst mit einer Dicke von 30 bzw. 50 mm einsetzbar, größere Dicken werden separat bestellt und sind entsprechend teurer. Bei einer sauberen Verarbeitung ist hier eine dünne Spachtelung als Oberflächenbearbeitung ausreichend. Die Wärmedämmung ist schlechter wie bei Polystyrol, daher sollte hier für eine mit der Mineralfaserwolle vergleichbare Dämmwirkung die Dicke erhöht werden.

Vollständiges und überzeugendes System mit wenigen Komponenten, welches von einem geeigneten Handwerker ausgeführt werden sollte, verbunden mit dem Wehrmutstropfen der höchsten Kosten.

Befestigungen an der Wand sollten bis auf das massive Mauerwerk geführt werden, die Kalzium-Silikatplatten reagieren jedoch sehr stabil auf Druck von außen.

 

Konkretisiert an einem Beispiel:

Bei einem Treffen mit einem befreundeten Selberbauer gab es auch ein Gespräch über die von ihm geplante Innendämmung von Untergeschosswänden in einem zukünftigen Schlaf- und einem Arbeitszimmer. Hierbei ergaben sich anhand der unterschiedlichen Randbedingungen auch unterschiedliche Möglichkeiten für eine Innendämmung, die hier in derselben Reihenfolge wie oben beispielhaft skizziert werden sollen.

a.) Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS)

Aufbau:

-       Ausgleich / Kleber

-       Sandwichplatte mit Polystyrol und Gipskarton, verspachtelt

-       Randdämmstreifen

Gut geeignet für ebene Wände, Problemzonen sind die integrierte Dampfsperre (kann nicht dargestellt werden, da diese Funktion vom Gesamtsystem übernommen wird) und das notwendige Ablösen der Gipskartonplatte von der Massivwand in der Ecke (und folglich auch an der Decke und am Boden). Installationen können nur „auf Putz“, also sichtbar verlegt werden.

Im Bereich der runden Wand nicht ausführbar, da die Sandwichplatte zu steif und der Kleber wiederum zu schwach ist um die Platten mit „Gewalt“ in die runde Form zu bringen. Vorgefertigte Platten sind nach unserer Erkenntnis als Sandwichplatte nur sehr schwer und dann recht teuer zu beschaffen.

b.) Mineralwolle

Aufbau:

-       Holzleisten

-       Mineralwolleplatten

-       Dampfbremse

-       Gipskarton, verspachtelt

Die Holzleisten sollen mit einem reduzierten Abstand eingebaut werden, damit die Rundung mit einer dünnen Gipskartonplatte und einer ausreichenden Anzahl an Schrauben hergestellt werden kann. Die Dampfbremse muss sauber verarbeitet und angeschlossen werden. In der ersten Einschätzung für die runde Wand die geeignetste Lösung.

c.) Kalzium-Silikatplatten

Aufbau:

-       Ausgleich / Kleber

-       Kalzium-Silikatplatten, verspachtelt

Die Platten werden in ein ausreichend dickes Kleberbett eingedrückt, Im Bereich der runden Wand nur dann ausführbar, sofern die Platten in schmalen Streifen verklebt und die Rundung durch eine entsprechend dicke Spachtelung oder Putz wieder hergestellt wird.

Eigentlich ein perfektes System mit wenigen Komponenten, welches jedoch für Rundungen nur eingeschränkt eingesetzt werden kann und auch den mit Abstand höchsten Preis hat.

Kalzium-Silikatplatten

Résumé

Auf Seite 188 einer sehr intensiven Untersuchung aus dem Jahr 2007 zu geeigneten Innendämmsystemen ist eine umfangreiche Bewertungsmatrix dargestellt: http://publik.tuwien.ac.at/files/pub-bi_7019.pdf

In der Schlussbemerkung heißt es:

„... Die Anschlussproblematik weist vor allem darauf hin, wie bedeutsam eine längere Auseinandersetzung im Detail ist. Dabei muss die Konstruktion so geplant werden, dass sie nicht nur auf dem Papier funktioniert. Wesentlich dabei ist, sich im Vorfeld über die Anschlusstechnik sowie die Reihenfolge zur Ausführung Gedanken zu machen. Im Nachhinein entstehen gegebenenfalls Notlösungen, die die volle Funktionsfähigkeit nicht sichern. Die aufgezeigten Anschlüsse lassen erkennen, aus welchen unterschiedlichen Sichtwinkeln die Innendämmung betrachtet werden muss. Es gibt keine Standardlösungen für die Konstruktionsvarianten. Die Anschlussausbildungen müssen im Einzelfall untersucht und auf die jeweilige Situation angepasst werden. ...“

Dem ist nichts hinzuzufügen!

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