02.07.2014 von Alexander Mayer-Steudte

Alles Gute kommt von oben...

Das Hausdach

Ziegeldach

Bis weit in das zwanzigste Jahrhundert hinein dienten die Räume unter dem Dach als trockene Lagerfläche die gut durchlüftet wurde. Der Trockenboden war aus den Mietshäusern, welche in der Nachkriegszeit entstanden, nicht wegzudenken. Das hatte auch ganz praktische Vorteile, konnte so doch eine Undichtigkeit beim Dach oder ein Loch in der Dachdeckung keine großen Schäden anrichten. Eingedrungene Feuchtigkeit oder Schnee konnten problemlos trocknen, die gute Einsehbarkeit der Dachfläche von unten ermöglichte eine leichte Kontrolle und Reparatur.

Das Dach als Wohn(t)raum

Dachstuhl hinter Dachkonstruktion

Der zunehmende Platzbedarf für das Wohnen zusammen mit dem Wunsch, möglichst alle für gutes Geld hergestellten Räume auch für das Wohnen zu nutzen, eröffnete einen wahren Boom beim Ausbau bestehender Dachflächen. In Neubauten sind Dachräume ohne Wohnnutzung nicht mehr vorstellbar. Dies hat zur Folge, dass auf dieses bisher nur zum Schutz gedachte Bauteil Dach zusätzliche Aufgaben des Raumabschlusses und damit der Wärmedämmung und gleichzeitig des Hitzeschutzes zukamen. Der Dachstuhl ist daher heute normalerweise nicht mehr sichtbar sondern verschwindet in den zahlreichen unterschiedlichen Lagen der Dachkonstruktion. Die Baustoffindustrie hat für die Dachkonstruktion unterschiedlichste Baumaterialien für unterschiedlichste Konzepte entwickelt. Vor einer Entscheidung zu einer bestimmten Lösung braucht es daher eine sehr gute und unabhängige Beratung. Denn leider sind die günstigsten Lösungen oftmals mit Einschränkungen verbunden und auch die teuren Lösungen bieten oft Eigenschaften, die nicht gebraucht werden.

Steildächer

Am Anfang steht jedoch die Entscheidung zu einer Dachform: die gängigsten Formen der Steildächer sind Satteldach, Walmdach, Zeltdach und Pultdach. Diese gibt es in zahlreichen Abweichungen, Variationen und teilweise auch Kombinationen. Garniert werden diese oft durch zahlreiche Einbauten wie Gaupen / Gauben, Dachflächenfenster, Kamine, aber auch Einschnitte für Dachterrassen. Der Fantasie sind hier nahezu keine Grenzen gesetzt, eher bedingt der Blick auf den Geldbeutel eine Beschränkung der Bauelemente. Die wesentlichen Bestandteile dieser Dachformen gleichen sich: Traufe, Ortgang und First.

Flachdächer

Flachdach mit Aussicht

Flachdächer oder flach geneigte Dächer gehören zu einer separaten Gruppe der Bauteile, da diese in der Konstruktion stärker an eine Decke erinnern wie an ein Dach. Dies wirkt sich auf die Ausführungsdetails aus, da ein Dachstuhl als separates Bauelement nicht mehr existiert. Und natürlich auch auf die Gesamtgestalt des Gebäudes, da die Dächer jetzt als oberer Abschluss des Hauses ganz anders wahrgenommen werden wie ein Steildach.

Neben den gestalterischen und Konstruktiven Aspekten einer Dachform ist ganz entscheidend auch die Frage, ob ein Bebauungsplan hier Vorgaben zur Form, Neigung und Farbe / Material der Dachdeckung macht. Innerhalb der hier festgelegten Grenzen sind mit etwas Fantasie immer noch individuelle Lösungen möglich, mit der das eigene Haus innerhalb der Masse sichtbar wird.

Materialien der Dachkonstruktion

Das für den Dachstuhl der Häuser in Gallien gebräuchliche Material Holz ist bis heute der Favorit im privaten Wohnhausbau, sowohl bei steilen wie auch bei flach geneigten Dächern. Das hat einen guten Grund: Holz ist als nachwachsender Baustoff gut und in unterschiedlichsten Qualitäten und Dimensionen verfügbar. Das Gewicht ist im Vergleich mit seiner hohen Tragfähigkeit gering. Holz kann leicht bearbeitet werden. Durch eine gute Vorbereitung kann ein Zimmermann den Abbund, also das Zusägen der Hölzer für die Dachkonstruktion, so vorbereiten, dass ein Dachstuhl aus Holz innerhalb eines Tages aufgestellt wird.

Sichtbar belassen führt das Holz im Wohnhaus zu einer warmen Atmosphäre. Dann sollte das Holz allerdings von einer guten Qualität sein und über eine gehobelte Oberfläche verfügen.

Bekommt das Haus ein wirklich flaches Dach, erreicht Holz seine Grenzen. Das hat weniger mit der Dachneigung zu tun, vielmehr bietet sich bei einem Flachdach eine andere Lösung für den Dachrand an. Die Dachkonstruktion steht nicht mehr über die Außenwände über, bildet also keinen Dachüberstand mehr. Stattdessen wird die Außenwand am Dach vorbei nach oben geführt. Hier spricht man von einer Attika. Diese Ausführung ist mit Holz grundsätzlich machbar, richtige Vorteile bietet jedoch eine Ausführung als Massivdach. Hier kommt dann der Beton in’s Spiel und kann seine Vorzüge zur Geltung bringen: das große Gewicht bringt eine erhebliche Trägheit, welche sich gerade in der heißen Jahreszeit ausgleichend auf die Raumtemperatur auswirkt. Ein Betondach hat bei derselben Höhe wie eine Holzkonstruktion eine höhere Tragfähigkeit, was sich direkt auf die Möglichkeiten einer Begrünung der Dachflächen auswirkt. Diese sind bei einer Dachkonstruktion aus Beton leichter zu realisieren.

Die bei einem typischen Dachstuhl aus Holz konstruktiv notwendige Belüftung der Dachfläche zwischen der Dachdeckung und der Wärmedämmung hat bei einem sehr flach geneigten Dach erhebliche Tücken in der Herstellung, so dass die Hinterlüftung sehr oft nur eingeschränkt funktioniert. Bei einem Holzdach, das mit Attika ausgeführt wird und daher dem Betondach ähnelt, muss die gesamte Wärmedämmung wie bei einem normalen Flachdach oberhalb der Dachkonstruktion (der Holzsparren) liegen. Damit ist bei einem reinen Holzhaus auch ein Flachdach mit einem herkömmlichen Aufbau möglich. Ein Blower-Door-Test ist inzwischen bei Neubauten zur Sicherstellung der Luftdichtigkeit üblich geworden. Bei einem Flachdachaufbau über einem Holzdach ist er ein absolutes Muss. Mögliche Undichtigkeiten erlauben eine Ansammlung von Feuchtigkeit in der Dachkonstruktion und schaffen die Voraussetzung für einen großen Bauschaden, der oft erst Jahre nach der Fertigstellung erkennbar wird. Dann ist es oft zu spät für die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen. Also lieber gar nicht erst so weit kommen lassen und rechtzeitig in die richtigen Maßnahmen investieren.

Holzdach
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