30.04.2014 von Alexander Mayer-Steudte

Auch etwas für Nichtraucher: der Blower-Door-Test

Bevor Sie selbst dicke Backen machen, sollten Sie das erst einmal dem Bauphysiker mit Ihrem noch nicht ganz fertigen Haus überlassen...

Sicht aus Dachfenster

Bei Niedrigenergiehäusern und Passivhäusern ist ein Nachweis der Dichtheit der Gebäudehülle Pflicht, ebenso beim Einbau von Lüftungsanlagen. Hierzu dient das Differenzdruck-Messverfahren, das häufig mit der englischen Bezeichnung „Blower-Door-Test“ beschrieben wird. Dieser Name bezeichnet den Prüfaufbau: eine mit Folie verschlossene Wandöffnung – am ehesten die der Haustüre also „door“, in deren Mitte sich ein großer Ventilator befindet. Dieser Ventilator bläst (= blow) Luft in das zu überprüfende Bauwerk (Haus oder Wohnung) bzw. zieht diese Luft heraus, so dass sich die Folie dick aufbläht. Hierbei muss ein Prüfdruck von 50 Pa = 0,5 mbar Unterschied erreicht werden. Dies ist ungefähr die Druckdifferenz, die bei Windstärke 5 entsteht und entspricht einer Windgeschwindigkeit von 29 – 38 km/h. Der „normale“ Luftdruck auf der Erdoberfläche beträgt 1 Bar, also dem 2000-fachen Wert der notwendigen Druckdifferenz. Trotzdem reicht dieser relativ geringe Wert, um genaue Ergebnisse zu ermitteln.

Schritt 1:
Bei der Leckagensuche sorgt der Unterdruck im Haus dafür, dass von außen frische Luft an den undichten Stellen in das Haus strömt. Der Tester hat eine kleine Handpumpe, mit der Rauch an alle potenziellen Stellen geblasen wird: Anschlußfugen der Fenster und Außentüren, der Dampfsperre, Auflagerpunkte von Holzträgern, sonstige Durchdringungspunkte und Installationsöffnungen. Da kommt eine ganz schöne Menge Rauch zusammen.

Schritt 2:
Jetzt wird schrittweise (z.B. in 5 bis 10 Pa-Schritten) ein Unterdruck aufgebaut, wobei man mit einem niedrigen Druck von 10 bis 30 Pa beginnt und bis auf einen Druck von 60 bis 100 Pa erhöht. Der Luftvolumenstrom wird gemessen und protokolliert.

Schritt 3:
Erfolgt wie Schritt 2, jedoch mit einem Überdruck.

 

Eine absolute Luftdichtigkeit ist technisch mit „normalen Mitteln“ nicht herstellbar, und auch nicht notwendig! Die gefordert Luftdichtigkeit unterscheidet sich nach dem energetischen Niveau, welches durch das Gebäude erreicht werden soll. Dieses entscheidet ja letztlich über die Fördergelder, welche gerne in Anspruch genommen werden.

Bei einem Gebäude mit natürlicher Lüftung darf die Luftmenge, die der Ventilator in das Gebäude bläst und durch unvermeidbare Fugen wieder aus dem Gebäude herauskommt höchstens 3 mal in der Stunde die gesamte Luft im Gebäude austauschen. Bei einem Gebäude mit Lüftungsanlagen darf sich die Luftmenge höchstens 1,5 mal austauschen. Der Grenzwert bei einem Passivhaus beträgt 0,6 mal.

Die Kosten für einen Blower-Door-Test halten sich heute in Grenzen, im Internet lassen sich schnell viele günstige Angebote finden. Korrekte Testergebnisse sind für die Dauerhaftigkeit des Bauwerkes aber auch für die Begrenzung des nicht kontrollierten Luftwechsels wichtig, denn das Heizen der Außenluft bringt schnell hohe Heizkosten. Daher sollten Sie genau prüfen, von wem Sie diesen Test machen lassen.

Sie sollten auch die Unterscheidung machen in einen nach Energieeinsparverordnung erforderlichen Test bzw. Nachweis, und eine Qualitätssicherung für Sie als Bauherrn und Eigentümer. Für die Qualitätssicherung gibt es keine Vorschrift, und doch ist sie für später nach unserer Erfahrung der wichtigere Test. Können Sie sich doch frühzeitig vergewissern, ob alle Firmen sauber gearbeitet haben. Eine gute Firma wird Ihnen dankbar sein für die Möglichkeit, ohne große Streitereien und mit wenig Aufwand hier schnell und problemlos nacharbeiten zu können - und gerne einen Mitarbeiter während des Tests bereitstellen.

Jetzt stellt sich also die Frage, wann denn der richtige Zeitpunkt für diesen Test ist? Am Tag des Einzugs, wenn endlich alles aufgeräumt und geputzt ist? Dann ist es zu spät, noch etwas zu ändern und undichte Stellen effektiv zu beheben.

Sofern der Bauablauf irgendwie so einzutakten ist, sollten Sie folgende Bauzustände für eine Messung erreicht haben:

Robau Innendämmung Dach

- Dach mit Dampfsperre versehen. Diese ist an die angrenzenden Wände dicht angeschlossen, Dachflächenfenster sind eingebaut und eingedichtet, Kamin und Schmutzwasserentlüftung kann eingebaut sein, muss aber nicht (diese kommen oft erst später).

- Die Fenster sind eingebaut, wenn möglich auch die Außentüren.

- Ein Wandputz innen oder außen muss noch nicht angebracht sein, die mögliche Undichtigkeit an den unvermörtelten / unverklebten Stoßfugen des Mauerwerks wirken sich auf die Suche nach Undichtigkeiten nur unwesentlich aus und können von einem geübten Prüfer problemlos im Messergebnis berücksichtigt werden.

Mit dem Tester sollte vorab geklärt werden, ob eventuell ein Test mit zwei Durchgängen aussagekräftig genug, um sowohl die Leckagen zu finden wie auch den Luftwechsel nachzuweisen. Wie gesagt: sofern der Luftwechsel nicht nachgewiesen werden muss, also bei Häusern mit normalem Energieniveau und Fensterlüftung, kann auf diesen verzichtet werden. Die Entscheidung liegt dann letztlich beim Bauherrn, ob er diesen trotzdem ausführen lässt. 

Empfehlung:

Mögliche Undichtigkeiten an den Anschlüssen der Dampfsperre im Dach erlauben eine Ansammlung von Feuchtigkeit in der Dachkonstruktion und schaffen die Voraussetzung für einen großen Bauschaden, der oft erst Jahre nach der Fertigstellung erkennbar wird. Dann ist es oft zu spät für die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen. Also lieber gar nicht erst so weit kommen lassen und rechtzeitig in die richtigen Maßnahmen investieren.

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