03.07.2014 von Alexander Mayer-Steudte

Das Fenster

Das Fensterln ist ein alter Brauch. 
Probier es mal Du kannst es auch!

Beispielhaftes Bauen 2013 - Holzfassade und Holzfenster
Baukörperkunst

Aus Wiktionary, das freie Wörterbuch:

fensterln (Deutsch)

Bedeutungen:

[1] Brauchtum, süddeutsch, österreichisch, schweizerisch: in der Nacht heimlich ein Mädchen durch das Fenster besuchen

Das waren ganz offensichtlich noch besondere Zeiten, als die Fenster klein, aus Holz und Sprossen bestanden und mit kleinen, dünnen Glasscheiben ausgestattet waren... Diese Fenster waren undicht, der Wind blies teilweise stark durch die Fugen zwischen Fensterflügel und Rahmen, und ein kräftiger Regen sorgte für Pfützen auf der Fensterbank. Die Wärmeisolierung war so schlecht, dass sich im Winter schöne Eisblumen auf den Glasflächen bildeten. Blumen im Winter! Das alles bedeutete aber auch, dass es nur eine sehr eingeschränkte Schalldämmung gab, und so die Angebetete das Ansinnen des Jünglings leicht vernehmen konnte.

 

Seit die Wände Löcher bekamen um Licht herein zu lassen, waren Fenster, und dabei ganz besonders das Glas, teure und aufwändig herzustellende Bauteile. (Für die Herstellung von einem Kilogramm Glas wurden etwa ein bis zwei Kubikmeter Holz benötigt. Im Nordschwarzwald wurde der ursprüngliche Baumbestand sogar fast vollständig abgeholzt.
Hausbau-Lexikon Quelle

Der hohe Aufwand und die Durchlässigkeit von kaltem Wind und Regen waren ein Preis, der trotzdem gerne gezahlt wurde. Die dadurch angetriebene Weiterentwicklung brachte mit der Zeit immer größere und bessere Fenster.

Butzenscheiben in einer Kirche
Butzenscheiben

Von kleinen Fenstern mit runden Butzenscheiben, die kaum einen Durchblick ermöglichten, über Fenster mit einer oder zwei dünnen Scheiben, den ersten Fenstern mit einer Isolierverglasung bis hin zu hochwärmedämmenden Fenstern mit einer Dreifachverglasung und optimiertem Glasrandverbund. Doch bevor es soweit war, wurden Fenster auch einmal vergessen, wie dieser Auszug aus der Geschichte „Die Schildbürger bauen ein Rathaus“ erzählt:

Ein Lichtstrahl im Dunkeln

... So versuchten sie es mit dem Rathaus ohne Dach. Als es dann aber zu schneien begann, deckten sie den Dachstuhl, wie vorher, mit Ziegeln. Nun war's im Rathaus aber wieder ganz dunkel. Doch diesmal steckte sich jeder einen brennenden Holzspan an den Hut. Leider erloschen die Späne schnell, und wieder saßen die Männer im Dunkeln. Plötzlich rief der Schuster: „Da! Ein Lichtstrahl!" Tatsächlich! Durch ein Loch kam etwas Sonnenlicht herein. Alle blickten auf den Lichtstrahl. "O wir Esel! Wir haben ja die Fenster vergessen!", riefen die Schildbürger. Noch am Abend waren die Fenster fertig. So wurden die Schildbürger durch die vergessenen Fenster berühmt.

Entwicklung

Entwicklung des Fensters

In den vergangenen Jahren hat kein anderes Bauteil solch eine fulminante Entwicklung durchgemacht wie das Fenster.

Heute sind Fenster in unterschiedlichen Materialien, Qualitäten und Formen nicht mehr von den Häusern wegzudenken. Sehr oft drückt sich der individuelle Charme eines Hauses in der Form und Anordnung seiner Fenster aus. Der enge Bezug zwischen Innen und Außen ist heute trotz großflächiger Verglasungen so gut herstellbar, dass auch niedrige Temperaturen auf der Innenseite nicht mehr zu Vereisungen auf dem Glas führen. Je nach gestalterischem Wunsch können die Rahmenprofile mit sehr schmalen oder auch sehr breiten Ansichten hergestellt werden. Die Konstruktionstiefe eines Fensters beginnt heute bei etwa 80 mm und kann beliebig tief ausgeführt werden. Fenster sind wahre Wunderwerke mit einer ausgefeilten Technik. Und doch besteht die Möglichkeit, dass Fenster von unterschiedlichsten Herstellern nach einheitlichen Normen gebaut werden, und somit bei „normalen“ Fenstern ein breites Angebot den Markt bestimmt.

Materialien

Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal sind heute die Fensterrahmenmaterialien. Auf dem Markt etabliert sind Rahmenmaterialien aus Kunststoff, Holz, Holz-Aluminium, Holz-Kunststoff und Aluminium. Der Marktanteil von Kunststofffenstern mit über 57% ist der höchste, gefolgt von Holzfenstern (über 15%). Alurahmenfenster und Kombinationen aus mehreren Materialien dagegen kommen deutlich seltener zum Einsatz.

Anteil der Fensterrahmenmaterialien 2013:

Holzfenster 15,7 Prozent

Holz-Metall-Fenster 8,2 Prozent

Metallfenster 18,5 Prozent

Kunststofffenster 57,5 Prozent

Qualität

Neben den Materialien für die Fensterrahmen ist die Ausführung des eingebauten Glases ein wesentliches Kriterium für die Qualität des Bauteils "Fenster". Üblich sind heute Dreifachverglasungen. Bei einer Sanierung und dem Austausch von Fenstern in einer nicht gedämmten Außenwand werden weiterhin Zweifachverglasungen eingebaut da hier der Effekt einer besseren Verglasung verpufft. Die Ausführung der Anschlussfugen zwischen Rahmen und Wand muss optisch sauber ausgeführt sein, eine durchgehende Herstellung einer dichten Ebene durch eine Abdichtungsfolie oder auch ein elastisches, spritzbares Fugenmaterial ist unbedingt notwendig. Damit Fehler in der Ausführung noch vor dem Verputzen der Wandflächen gefunden und repariert werden können, werden die Anschlüsse beim Blower-Door-Test überprüft.

viele Holzfenster
OstStadtSchule Ludwigsburg
« Alles Gute kommt von oben... Die Wand »

Einen Kommentar schreiben