23.09.2014 von Alexander Mayer-Steudte

Die Innendämmung (Teil 1/3)

Es ist ein hartnäckiger Mythos, an den manche immer noch glauben, dass wir die meiste Wärme über den Kopf verlieren ...

Sanierung von Wohnräumen mit Innendämmung

... Nach meinen Recherchen geht das auf ein Überlebenshandbuch für amerikanische Soldaten aus dem Jahr 1970 zurück. Dort wurden Männer in Polaranzügen der arktischen Kälte ausgesetzt und verloren 40 – 45 % der Wärme über den Kopf... weil dies das einzige ungeschützte Körperteil war.

Eine Wärmedämmung ist also nur so gut, wie sie auch richtig geplant und vollständig ausgeführt wird. Ganz besonders trifft das auf die Sanierung von Wohnräumen mit Innendämmung zu. Hier gibt es viele unterschiedliche Meinungen aber kein einheitliches Konzept. Dabei reicht es oft schon, wenn die wichtigsten Grundregeln eingehalten werden.

Die gebräuchlichste Art der Wärmedämmung von bestehenden Gebäudeaußenwänden ist die Außendämmung. Nachträglich auf die Außenwand aufgebracht, verändert sie das Aussehen und die Proportionen des Hauses deutlich. Gerade an den Anschlusspunkten müssen oft aufwändige und komplizierte Detaillösungen gefunden werden, so dass das Ergebnis schnell von einer optimalen Lösung weit entfernt ist.

Eine Wärmedämmung auf der Innenseite von Außenwänden hat mehrere Vorteile:

Nach dem Abkühlen kann der Raum sehr schnell wieder aufgeheizt werden, da die kalten und schweren Außenwände nicht mit erwärmt werden müssen und damit mehr Wärme für den Raum zur Verfügung steht.

Egal in welchem Stockwerk Sie die Wand dämmen möchten: Sie brauchen normalerweise kein Gerüst. Damit ist ein bequemes und ungefährliches Arbeiten möglich.

Der Einbau im geschützten Gebäude bedeutet für die Wärmedämmung im Prinzip geringere Kosten, da hier kein Witterungsschutz erforderlich wird und damit „einfachere“ Materialien verwendet werden können.

Und doch: eine Innendämmung verlangt eine genaue Überlegung zu den Ausführungsdetails und anschließend eine sehr gründliche Montage. Die Hauptursache liegt in der eingangs beschriebenen Geschichte: Sie können noch so viel Wärmedämmung an den Innenflächen der Außenwand anbringen, solange es Bauteile gibt, die wie der Kopf aus einem Polaranzug herausschauen, wird es dort einen erhöhten Wärmeabfluss = Energieabfluss geben. Wir sprechend dann von einer Wärmebrücke. Den gerne gebrauchten Begriff Kältebrücke gibt es gar nicht, denn Kälte ist einfach nur zu geringe Wärme. Wärme können wir messen und damit quantifizieren. Deshalb betrachten wir eine Wärmebrücke auch so, dass dort besonders viel Wärme zur kalten Seite hin abfließt und nicht, dass hier die Kälte hereinzieht, auch wenn es sich so anfühlt.

Wärmebrücken

Skizze Wärmebrücke
Quelle: Fraunhofer-Institut für Bauphysik

Dies sind alle Bereiche, die nicht richtig gedämmt sind, also Stellen mit handwerklichen Mängeln. Gegen diese hilft nur eine genaue Überprüfung bzw. Begleitung der Arbeiten und ein guter Handwerker. Wenn Sie sich die Sache zutrauen, können Sie das auch selbst versuchen, am Anfang sollte das jedoch eher eine kleinere Fläche sein und ohne Zeitdruck geschehen, also nicht, wenn gerade der Umzug ansteht... Dann haben Sie hoffentlich die Sicherheit, dass die Ausführung entsprechend den konkreten Anforderungen geschieht, und die sind im Detail nicht gerade einfach.

Eine auf den ersten Blick eher unauffällige aber in der Wirkung doch sehr wichtige Wärmebrücke sind Decken und Wände, die meist ohne irgendeine thermische Trennung direkt an der Außenwand angeschlossen sind. Das Zurückhalten der Wärme im Raum durch die Innendämmung führt auch zu einer niedrigeren Temperatur der Außenwand. Diese zieht dann die Wärme über die Decke und Innenwände wie über Kühlrippen aus dem Raum ab, und Sie haben einen unkontrollierten Wärmeverlust. Das ist natürlich nicht das Ergebnis, das Sie sich mit der neuen Wärmedämmung vorgestellt haben. Die weiteren Folgen sind jedoch noch ernüchternder: die Anschlussbereiche der Decke und Innenwände sind im Ergebnis die mit Abstand kältesten Stellen im Raum. Und da passiert es dann: Luftfeuchtigkeit kondensiert als erstes an den kältesten Stellen. Nach und nach werden diese Stellen sichtbar, da sich hier der Staub am besten einfangen lässt und somit Flecken oder Streifen bildet. Sollten diese Stellen nicht rasch genug wieder austrocknen entsteht irgendwann Schimmel. Spätestens jetzt hört der Spaß auf und die Klagen fangen an.

Das hat sich inzwischen herumgesprochen, daher gibt es von einzelnen Systemanbietern entsprechende vorgefertigte Dämmkeile, die hier gut eingesetzt werden können, da die Dicke der Wärmedämmung mit zunehmender Entfernung von der Außenwand abnehmen darf.

Bei der Ausführung einer Lösung mit „Standardprodukten“ wird die Wärmedämmung einfach um die Ecke geführt, dann sollten es jedoch mindestens 40 cm sein, besser sind 50 cm oder mehr. Das ist für die Innenwände und die Decke einigermaßen einfach auszuführen, lediglich optisch findet nicht jeder seinen Reiz an dieser Sache.

Glück hat derjenige, der keine Massivdecke hat und dort im Deckenaufbau eine Wärmedämmung einbauen kann. Oder auch derjenige, der genug Raumhöhe hat und ohnehin bei der Sanierung gleich einen neuen Bodenaufbau plant, ist fein heraus. Für alle anderen gilt hier, dass das Risiko einer Wärmebrücke beim Fußboden nicht ausgeschlossen werden kann. Erstaunlicherweise entstehen hier trotzdem recht selten Probleme.

Gehen wir also davon aus, dass die Wärmedämmung an allen notwendigen Oberflächen angebracht wurde und keine Flecken auf der neuen Farbe auftauchen. Wenn wir jetzt nicht genau aufgepasst haben, könnten durch Kondenswasser auf Bauteiloberflächen trotzdem Probleme entstehen, und langfristig für eine Durchfeuchtung sorgen. Wir sprechen dann von einem Tauwasserproblem, über das wir Ihnen im nächsten Beitrag berichten werden.

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