30.09.2014 von Alexander Mayer-Steudte

Die Innendämmung (Teil 2/3) - Tauwasserprobleme

Gehen wir also davon aus, dass die Wärmedämmung an allen notwendigen Oberflächen angebracht wurde und keine Flecken auf der neuen Farbe auftauchen.

Tauwasserproblem die Erste

Luftfeuchtigkeit im Winter

Eine normale Wohnraumnutzung bedeutet, dass die relative Luftfeuchtigkeit im Winter im Mittel unter 50% bleiben soll. Definition Wikipedia: „Relative Luftfeuchtigkeit ist das Verhältnis der tatsächlich enthaltenen zur maximal möglichen Masse an Wasserdampf in der Luft; oder anders ausgedrückt das Verhältnis zwischen der absoluten Luftfeuchte und der maximalen Luftfeuchte.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Luftfeuchtigkeit)

Dieser Wert wird normalerweise problemlos eingehalten, insbesondere in der kalten Jahreszeit, wenn die Außenluft ohnehin recht trocken ist. Die Schwierigkeiten fangen dann an, wenn die Bewohner mit ins Spiel einsteigen. Jeder Mensch hat ein anderes Nutzungs- und Lüftungsverhalten. Der eine liebt ein eiskaltes Schlafzimmer, in dem die Heizung nie aufgedreht wird, der nächste kann nur mit offenem Fenster schlafen und wieder der nächste liegt am liebsten direkt neben der glühenden Heizung.

Welcher Schläfertyp sind Sie?

Beschlagene Scheiben

Der Heizungsschläfer wundert sich wahrscheinlich, dass er morgens immer wie gerädert und mit einem trockenen Mund erwacht. Gehen wir davon aus, dass regelmäßig gelüftet wird, bleibt die Raumtemperatur immerhin locker in dem Bereich, in dem kein Tauwasser entsteht.

Der Eiskammerschläfer wird vermutlich feststellen, dass intensives Lüften leider nicht dafür sorgt, dass die trockene Winterluft auch die Bettlaken trocknet. Die allein durch das Schlafen in der Nacht ausgeblasene Feuchtigkeit hat nicht viele Möglichkeiten: die Raumluft ist so kalt, dass sich Tauwasser niederschlägt, und dann hat das Wasser lange Zeit überhaupt keine Möglichkeit, wieder in die Raumluft zurückzugelangen, da diese einfach zu kalt bleibt.

Für den Schläfer am offenen Fenster ist eine Innendämmung ideal, sofern er regelmäßig den Heizkörper aufdreht. Am Besten gleich morgens schön warm machen und dafür sorgen, dass dann gut gelüftet wird, denn auch hier ist Feuchtigkeit in die Bauteile und Bettlaken eingedrungen und sollte freundlich aber bestimmt herauskomplimentiert werden. Das gelingt am leichtesten mit warmer Luft und einer mehrminütigen Querlüftung. Eine Broschüre der Verbraucherzentrale gibt hierzu verschiedene Tipps, das eigene Lüftungsverhalten muss jedoch unbedingt an den Tagesablauf angepasst werden, da allein mit diesen Tipps nicht unbedingt alle Gefahren gebannt sind.

http://www.verbraucherzentrale-energieberatung.de/downloads/VZE_Broschuere_HeizenLueften.pdf

Ist damit alles im Lot? Leider nein.

Gibt es Undichtigkeiten in der Wärmedämmung, kann es passieren, dass Kondenswasser an Stellen entsteht, die nicht eingesehen werden können und die dann die lange ungesehen vor sich hin gammeln. Dann ist Luftfeuchtigkeit in die Wärmedämmung hineingelangt und findet keinen Weg mehr heraus.

Tauwasserproblem die Zweite

Schimmelflecken auf Aussenwand

Die Innendämmung bewirkt, dass die Außenwände nur noch ein bisschen und gaaanz langsam erwärmt werden, die Wärme soll ja auch im Raum bleiben. Was passiert dann, wenn die Luftfeuchtigkeit bis an die Außenwand gelangt? Durch die Wärmedämmung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Temperatur der Außenwand unter den kritischen Punkt sinkt, ab dem ankommende Luftfeuchtigkeit kondensiert.

Das kann auf der Außenwand passieren, wenn Luftfeuchtigkeit durch Plattenfugen hindurch diffundiert. Prinzipiell reicht es auch, wenn Wasserdampf in eine dampfdiffusionsoffene Wärmedämmung hineingelangt (z.B. bei Mineralfaserwolle), der Wasserdampf kann dann innerhalb der Wärmedämmung kondensieren und diese durchfeuchten. Daher muss bei der Innendämmung unbedingt genau darauf geachtet werden, dass die Wasserdampfdiffusion, also der Wasserdampfdurchgang vom Raum durch die Wärmedämmung bzw. den gedämmten Bereich hindurch bis zur Außenwand verhindert wird.

Dichte Plattenfugen sorgen also dafür, dass eine große Gefahr bei der Innendämmung gebannt ist. Damit sind wir jedoch noch nicht durch, denn Wasserdampf kann auch auf anderem Wege an die kalte Außenwand gelingen.

Ein Abstand der Wärmedämmung von der Außenwand und eine Verbindung dieses Hohlraums mit der Raumluft führen zur sogenannten Konvektion. Dabei führt die durchströmende Luft die Feuchtigkeit in den Hohlraum und die Feuchtigkeit kann dann an der kalten Außenwand kondensieren. Wenn alle Umstände besonders ungut sind, entsteht hier Schimmel und die Bauteile trocknen im Sommer nur sehr schwer und langsam wieder aus. Das ist etwas, was verhindert werden sollte. In der Theorie sind solche Hohlräume leicht zu vermeiden, leider stellt sich in der Praxis dann jedoch oft heraus, dass die zu dämmenden Altbauwände zu uneben sind, um die Wärmedämmung satt aufzubringen. Im Vorteil sind hier weiche Dämmstoffe , welche sich an den Untergrund anpassen können.

Und es hilft dann eben vor allem mal eines: die ganze Konstruktion muss Dampfdicht ausgeführt werden! Die Literatur empfiehlt hier auf der Raumseite eine Dampfbremse mit einem sd-Wert von ca. 2 m oder eine feuchteadaptive Dampfbremsfolie. Als Alternative bietet sich auch eine besonders hochwertige Wärmedämmung mit speziellen Eigenschaften an, die gar keine Dampfbremse benötigt.

Worauf Sie bei der Materialauswahl unbedingt achten sollten, erfahren Sie in unserem nächsten Bericht

« Die Innendämmung (Teil 1/3) Die Innendämmung (Teil3/3) - Materialien »

Einen Kommentar schreiben