30.07.2014 von Sabine Endres - Büro für optimale Raumgestaltung

TREPPEN MAL ANDERS BETRACHTET

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie oft am Tag Sie die Treppen hoch und runter laufen?

Und dass der Treppe dabei eine sehr wichtige Aufgabe zukommt? Auch Feng Shui beschäftigt sich mit der Wirkung von Treppen in Häusern.

Feng Shui ist eine 4.000 Jahre alte Lehre aus Asien. Sie ist Teil der daoistischen Philosophie und hat viele Anknüpfungspunkte und Verwandtschaften zu unterschiedlichen Themen der Gesundheit wie z.B. Akupunktur. Ursprünglich wurde dieses Wissen dem Kaiser vorbehalten. Feng Shui Meister gingen oft jahrelang durch seine Ländereien um den optimalen Platz zu finden, um einen Palast zu bauen. Einen Platz, der so toll war, dass dort der Reichtum und der Wohlstand des Kaisers gemehrt werden würde. Dieses Wissen darum, wie man gute Plätze erkennt und darum, wie Häuser gestaltet sein sollten, damit Menschen sich darin wohlfühlen bzw. Geschäfte gut laufen ist auch heute noch zentraler Punkt der Lehre. Verschiedenste Schulen in China verfolgen mit unterschiedlichen Methoden doch alle ein Ziel: die Lebensenergie „Chi“ so zu lenken und zu leiten, dass sie uns Menschen auch in Räumen nutzen bringen kann.

Um besser zu verstehen, wie man das Chi lenken kann gibt es eine Hilfestellung: im klassischen Feng Shui sagt man, das Chi fließt wie Wasser, Dieses Bild zeigt sehr schön, welchen Gesetzmäßigkeiten der Energiefluss folgt und hilft bei der Vorstellung, wie man den Energiefluss in Räumen wirksam in seine natürliche Form und Geschwindigkeit bringt.

In einem Haus oder einer Wohnung über mehrere Stockwerke haben Treppen die Aufgabe, die einzelnen Stockwerke miteinander zu verbinden. Dabei bewegen wir Menschen uns dort ständig auf und ab. Und da Wasser bekanntlich nicht bergauf fließen kann kommt Treppen als Gestaltungselement im Feng Shui eine besondere Bedeutung zu. Eine nach unten führende Treppe wird folglich einen Großteil der Energie nach unten leiten, eine nach oben führende Treppe hingegen wenig Energie nach oben, es sei denn, es wird entsprechend „nachgeholfen“.

In alten Häusern wurden Treppen in der Regel mit einem Podest zum Ausruhen gebaut. Diese Treppenabsätze waren ideal, um das Chi zu sammeln und einen schnellen Abfluss zu verhindern. Bei modernen Treppen fehlt dieses Gestaltungselement. Es ist also notwendig, das Chi durch andere gestalterische Elemente zu sammeln und zu halten.

Treppen sind in modernen Häusern ein oft vernachlässigter Bereich. Sie sind als Verkehrsfläche oft klein, eng und dunkel geplant, was das Feng Shui des gesamten Hauses und somit das Gefühl der Bewohner negativ beeinflusst. Haben Sie schon einmal überlegt, wie oft die Treppe täglich genutzt wird und wie oft sich damit unbewusst auch ein schlechtes Gefühl einstellt? Auch aus diesem Grund haben Treppen eine zentrale Bedeutung.

Probleme mit Treppen

Betrachten wir uns die häufigsten Probleme mit Treppen aus Sicht des Feng Shui.

Heute werden Treppen in der Regel innerhalb der Wohnbereiche als offene Treppe ausgeführt. Dazu gibt es sinnbildlich – und im Rohbau sehr schön zu beobachten - ein riesiges Loch durch das gesamte Haus vom Keller bis zum Dachboden. Durch dieses Loch fällt die Energie, fließt nach unten ab und es entsteht ein unangenehmer Zug. Gleichzeitig steigt die Unfallgefahr auf offenen Treppen.

Führt eine Innentreppe von oben direkt auf die Haustüre zu, so kann vermehrt Energie durch die Haustüre abfließen. Dieser permanente Verlust von Energie steht im Feng Shui sinnbildlich für den Verlust von materiellen Werten oder finanzielle Einbußen. Eine Gestaltung mit geeigneten Feng Shui Stilmitteln kann das Chi wirksam bremsen und so den Geldabfluss verhindern.

Öffnet sich von der Haustüre aus eine direkt nach unten führende Treppe ist auch das problematisch. Die Energie kann nicht gehalten werden und fließt sofort nach unten in das Kellergeschoß, Um den Energieabfluss in den Keller zu verhindern, kann mit runden Elementen das Chi gesammelt und konzentriert werden. Auch Klangspiele, Spiralen oder Mobiles sind gut geeignet, das Chi zu halten.

Spindeltreppen (die im normalen Sprachgebrauch auch als Wendeltreppen bezeichnet werden) z.B. in Galeriewohnungen sind wie ein Dolch in das Herz der Wohnung oder des Hauses. Mit ihrer Konstruktion, bei der das Hauptgewicht auf der mittleren Säule liegt, „bohren“ sich wie ein Korkenzieher in das Haus. Je nachdem, in welchen Bagua-Bereich des Hauses sich die Treppe hineinbohrt (hierzu ist eine Feng Shui Analyse des Grundrisses erforderlich) gibt es Aufschluss darüber, ob bestimmte Ziele schwerer zu erreichen sind als andere.

Die ideale Treppe

Wie sollte nun also eine ideale Treppe aussehen? Gibt es das überhaupt?

Für die ideale Treppe sollte zunächst genügend Platz geplant werden. Platz ist in modernen Häusern aufgrund sehr kleiner Grundstücksgrößen und somit relativ kleiner Baufenster oft nicht im gewünschten Maße vorhanden. Dennoch kann man sich als Bauherr für das spätere Wohn- und Lebensgefühl viel Gutes tun, wenn bei der Planung hierauf besondere Aufmerksamkeit gerichtet und bewusst Platz gelassen wird.

Die Treppe sollte hell, freundlich und von der begehbaren Breite her großzügig bemessen sein. Je nachdem, ob die Treppe als gerade oder gewendelte Treppe geplant wird, sollte eine entsprechende Anzahl von Treppenabsätzen eingeplant werden.

Ein Handlauf verringert die Unfallgefahr und kann je nach Gestaltung unterstützend den Energiefluss lenken oder halten.

Planen Sie die Treppe nicht im direkten Türöffnungsbereich des Hauseingangs. Geben Sie Bewohnern und Besuchern die Möglichkeit, zunächst das Haus zu betreten. Man hat sonst das Gefühl sich „hineinquetschen“ zu müssen oder gleich nach unten zu fallen.

Geschlossene Treppen, also Treppen mit Stell- und Setzstufen sind offenen Treppen oder Kragstufen vorzuziehen. Sie erleichtern das Halten von Energie auf den einzelnen Stockwerken und sind einfacher zu begehen.

Trennen Sie die Treppe nach oben räumlich von der Treppe nach unten. Nicht immer muss die Treppe nach oben zwingend an derselben Stelle zu finden sein wie die Treppe nach unten.

Alternativ wäre es eine gute Möglichkeit, die Treppe nach unten mit einer Türe zu verschließen. Gerade in alten Häusern findet man noch sehr oft solche Holztüren, die den Weg in den Keller verschließen.

Besonders einladend ist es, eine Treppe zu betreten, wenn die unterste Stufe breiter ist als die folgenden.

Nutzen Sie für die Gestaltung des Treppenhauses sammelnde und zentrierende Elemente, d.h. runde Lampen oder geschwungene Ornamente im Treppengeländer und vermeiden Sie die Betonung der Energiebewegung von oben nach unten d.h. vermeiden Sie senkrechte Elemente, die den extremen Bewegungen auf der Treppe Vorschub leisten.

Zuletzt ein Wort zum Material:

Erlaubt ist, was gefällt. Holz, Stahl, Beton, Eisen, Marmor, Sandstein,  …. Eine Holztreppe mit gedrechseltem Geländer ist in einem modernen Stahl- und Betonbau sicher fehl am Platze auch wenn sie sämtliche oben aufgeführten Kriterien erfüllt. Die Auswahl des Materials sollte sich also dem Stil und den Materialien des Hauses anpassen und so eine Einheit bilden. Lediglich von Glas möchte ich an dieser Stelle komplett abraten.

Gute Architekten beraten und unterstützen Sie gerne bei der Auswahl der richtigen Form für Ihr Bauvorhaben.

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